Success Stories

Vom Zweifel zum Zutrauen — ein Weg durch das Impostor-Erleben

30. November 2024 · von Dr. med. Daniel Zeiss

Die Ausgangslage

Sarah (Name geändert) ist Marketing-Führungskraft mit über zehn Jahren Erfahrung. Von außen war das Bild vollständig: Beförderungen, Auszeichnungen, gute Beurteilungen. Darunter lief eine hartnäckige Angst — was, wenn sie merken, dass ich nicht so gut bin, wie sie denken?

Sie kam ins Coaching festgefahren, müde und unsicher, wie es weitergehen sollte.

Wie es sich zeigte

  • Erfolge kleinreden: Gelungenes dem Glück oder anderen zuschreiben statt der eigenen Arbeit.
  • Angst vor Entlarvung: die ständige Erwartung, aufzufliegen, am stärksten bei Projekten mit hohem Einsatz.
  • Perfektionismus und Erschöpfung: Überarbeitung, um den eigenen Wert durch makellose Ergebnisse zu belegen.
  • Chancen meiden: Führungsrollen ablehnen, die die Laufbahn vorangebracht hätten, aus Angst, darin zu scheitern.

Das Vorgehen

Wir arbeiteten strukturiert und traumainformiert — in dem Verständnis, dass frühere Erfahrungen gegenwärtiges Verhalten prägen, und mit entsprechender Sorgfalt.

  • Bewusstheit: das Muster und seine emotionalen Ursprünge erkennen. Sarah verband ihre Selbstzweifel mit frühen Botschaften darüber, perfekt sein zu müssen, um angenommen zu werden — und wir schufen Raum, das ohne Bewertung anzusehen.
  • Regulation: Übungen zur Erdung und Achtsamkeit für die Anspannung vor Präsentationen und Entscheidungen, dazu körperorientierte Arbeit — Atmung, Körperwahrnehmung —, um die begleitende körperliche Spannung zu bemerken und zu lösen.
  • Das Narrativ ändern: kognitiv-verhaltenstherapeutische Arbeit an automatischen Gedanken wie „ich bin nicht gut genug" und deren Ersetzung durch Zutreffendes: „ich habe hart dafür gearbeitet, hier zu sein". Das erneute Betrachten prägender Momente ließ sie diese milder sehen.
  • Belastbarkeit: Scheitern als Teil von Entwicklung einordnen statt als Beleg für Unzulänglichkeit, mit Vorstellungsübungen zur Vorbereitung auf Situationen mit hohem Druck.
  • Schrittweise Konfrontation: Statt Führungsrollen rundweg abzulehnen, übernahm sie zunächst kleinere Teile — und jeder Schritt wurde gewürdigt.

Der Verlauf

Das war keine schnelle Lösung, sondern eine längere Zusammenarbeit. Die Sitzungen wurden zu einem verlässlichen Ort für Reflexion und Anpassung, mit dem Verständnis, dass Rückschritte zum Prozess gehören und ihn nicht infrage stellen.

Über sechs Monate baute sie eine tragfähige Grundlage aus Belastbarkeit und Selbstannahme auf.

Was sich verändert hat

  • Sie erkannte ihre eigenen Stärken und konnte ihren Beitrag gegenüber Kolleg:innen und Entscheidern ohne Abschwächung benennen.
  • Sie schrieb Erfolge nicht mehr äußeren Umständen zu, sondern ihrer Arbeit, ihrer Kreativität und ihrer Beharrlichkeit.
  • Indem sie Herausforderungen annahm, die sie zuvor gemieden hatte, öffneten sich Möglichkeiten — innerhalb eines Jahres wurde sie in eine leitende Position befördert.

Was andere daraus mitnehmen können

Impostor-Erleben ist außerordentlich verbreitet, auch bei Menschen mit beeindruckenden Lebensläufen. Zutrauen wächst Schritt für Schritt, nicht auf einmal, und diese Art von Veränderung ist ein Prozess und kein Ziel.

Dies ist der anonymisierte und in Details veränderte Bericht eines einzelnen Verlaufs. Er beschreibt, was in dieser Zusammenarbeit möglich war, nicht ein Ergebnis, das sich zusichern ließe.